Eine neue Ära tief unter der Erde

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Auch tausende Meter unter der Erdoberfläche fahren Züge, denn viele Bergwerke setzen auf innovative Bahntechnologie.

Diese Vorstellung mag für viele zunächst seltsam sein, denn Bergwerksbahnen sind kein alltäglicher Anblick. In Hollywood-Filmen à la Indiana Jones und der Tempel des Todes sieht man sie als klapprige Grubenbahnen auf rostigen Schienen. In Videospielen und sogar in Vergnügungsparks rattern sie durch unheimliche, chaotische unterirdische Welten. Wie der Transport unter Tage aber wirklich zugeht, wissen nur die wenigsten.

In Schwedens nördlichster Stadt liegt die größte und modernste Eisenerzmine der Welt.
Zu Besuch in Kirunas LKAB-Mine In Schwedens nördlichster Stadt liegt die größte und modernste Eisenerzmine der Welt.

Einen ausgezeichneten Einblick in die Arbeit moderner Bergwerksbahnen vermittelt ein Besuch bei der LKAB-Mine im schwedischen Kiruna. Oberirdisch überwachen dort nur wenige Beschäftigte von einem Kontrollzentrum aus die Fahrlader, die das geförderte Eisenerz über Tage in Züge verladen. Weitaus spannender ist hingegen das unterirdische Universum der Erzgrube.

Mit dem Lastwagen geht es durch runde Tunnelröhren bis zur untersten Hauptsohle. Dort, rund 1365 Meter unter dem Gipfel des darüber aufragenden Bergs, befindet sich eine Leitwarte. Nur eine Handvoll Bergleute steuern mit Joysticks die Beladung der Züge. Das Eisenerz selbst wird auf den darüberliegenden Sohlen gebrochen und fällt durch Rolllöcher direkt in die Waggons. Andere Mitarbeiter überwachen am Monitor, wie das Erz von den Waggons in Brecheranlagen und auf Förderbänder abgekippt und von dort über Tage gefördert wird.

Früher, als man noch mit Pressluftbohrern und Dynamit arbeitete, hätte es in einer solchen Sohle von Menschen und Maschinen gewimmelt, doch heute ähnelt sie eher einem ultramodernen U-Bahn-System, dessen Züge führerlos durch glatte, helle Tunnel gleiten. Die Leitwarte überwacht in erster Linie das reibungslose Funktionieren der hochtechnisierten Signaltechniksysteme, die die Ladevorgänge und den Transport steuern.

Derart straff durchorganisierte Abläufe finden sich nicht nur bei der LKAB-Mine in Kiruna. Moderne Bahnsysteme für den Bergbau wie dieses gibt es auch in chilenischen Kupferminen, kolumbianischen Kohlebergwerken, indonesischen Goldminen und vielen weiteren Gruben in aller Herren Länder.

ist eine der stärksten Lokomotiven der Welt. Sie fahren in Kiruna unter härtesten klimatischen Bedingungen und ziehen Eisenerzzüge mit Lasten mit bis zu 8.200 Tonnen Gewicht aus den Minen an die Küsten in Schweden und Norwegen.
Die IORE Lok ist eine der stärksten Lokomotiven der Welt. Sie fahren in Kiruna unter härtesten klimatischen Bedingungen und ziehen Eisenerzzüge mit Lasten mit bis zu 8.200 Tonnen Gewicht aus den Minen an die Küsten in Schweden und Norwegen.
Hochmoderne Signalsysteme

Bombardiers innovative Zugsteuerungssystem optimieren Zugstrecken und -prioritäten mithilfe eines zentralen elektronischen Stellwerks. Über Funk kommuniziert es mit einem kleinen Bordcomputer im Zug. Dieser „Onboard“ steuert, woher und wie schnell der Zug fahren darf. Die für industrielle Anwendungen und automatisierten Betrieb vorgesehene Lösung umfasst zudem Komponenten wie eine integrierte Be- und Entladesteuerung und ein eingebautes führerloses Steuersystem.

Hightech tief unter der Erde

Ein fortschrittliches Steuersystem zeichnet sich dadurch aus, dass es streckenseitig keine umfangreiche Ausrüstung benötigt, die den Preis für Installation und Instandhaltung des Systems in die Höhe treiben und ein Sicherheitsrisiko für das Wartungspersonal darstellen würde. Innovative Steuersysteme bieten zunehmend attraktive Lösungen nicht nur unter Tage, sondern auch für den Weitertransport des Förderguts zum Hafen. Angesichts sinkender Rohstoffpreise investieren viele Bergbaubetriebe in moderne Zugsteuersysteme, um niedrigere Betriebskosten und zugleich mehr Sicherheit zu gewährleisten.

Auf der untersten Sohle der LKAB-Eisenerzgrube in Schweden bietet sich in über 1300 Metern Tiefe ein überraschend ansprechendes Bild: Vollautomatische Züge mit zwanzig und mehr Waggons bewegen sich führerlos auf gepflegten Gleisen fast ohne zusätzliche Installationen durch ein blitzsauberes, staubarmes und für die Arbeitskräfte sicheres Umfeld. Die Zukunft der Grubenbahnen mit intelligenter Bahntechnik hat hier – tief unter Tage – bereits begonnen.