Bombardier

Aufbruch in die digitale Zukunft

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Die Digitalisierung bedeutet für Unternehmen Herausforderung und Chance zugleich. Mit den Möglichkeiten von Big Data erfindet Bombardier sich selbst und das Verständnis von Mobilität neu – und nutzt dabei frische Ideen aus der Startup-Szene.

Es ist lange her, dass Verner Baird an einer Tischtennisplatte stand. Anders als vor 30 Jahren schlägt der Informatiker nicht mit Ball und Schläger auf, sondern mit Laptop und seinem Team. Baird ist IT-Leiter der Transportsparte von Bombardier und verantwortet den Digitalisierungsprozess im Unternehmen. Dazu führt er sein Team raus aus dem Büro zu den Startups, also zu jungen, innovativen Unternehmen. „Es mutet zwar seltsam an, mit einer Gruppe von Menschen an einer Tischtennisplatte zu sitzen und ein Projekt für Bombardier zu bearbeiten“, räumt Baird ein. „Aber genau dieser Kontrast ist es, der Kreativität und Energie freisetzt.“ Und diese Mischung braucht es, um Erfolg in der digitalen Zukunft zu haben.

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Fahrgäste wollen nicht nur pünktlich und verlässlich ans Ziel kommen, sondern sie wollen während der Reise ständig mit dem Internet verbunden sein

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Big Data, wie die globale Datenwolke genannt wird, führt dazu, dass sich Mobilität verändert. Einfach nur gute Züge zu bauen, das reicht heutzutage nicht mehr. „Fahrgäste wollen nicht nur pünktlich und verlässlich ans Ziel kommen, sondern sie wollen während der Reise ständig mit dem Internet verbunden sein”, sagt Verner Baird. Und Fahrgäste mit allem Komfort von A nach B zu bringen, wird immer mehr zur Herausforderung, je mehr Menschen in die Ballungsräume ziehen und den Nahverkehr nutzen. Bis 2050 werden mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben, so eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

„Der Verkehr in den Metropolen nimmt zu und die Wahrscheinlichkeit von Staus steigt“, sagt Baird. Und die sind nicht nur ein Ärgernis für die betroffenen Fahrer, sondern auch ein wirtschaftliches Problem, erläutert der Informatiker Prof. Dr. Stefan Jänichen von der Technischen Universität Berlin: „Verkehrsstaus verursachen allein in den 22 größten deutschen Stadtgebieten pro Jahr 7,5 Milliarden Euro zusätzliche Kosten. In Anbetracht dieser Zahl ist eine effizientere Nutzung der Verkehrswege sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch bedeutsam.“

Bis zum Jahr 2050 werden über 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben.

Volumen und Vielfalt der Datenströme bieten Betreibern und Herstellern enormes Potential.
Aus Big Data wird Smart Data Volumen und Vielfalt der Datenströme bieten Betreibern und Herstellern enormes Potential.

Durchblick im Datendschungel

Um den öffentlichen Nahverkehr besser zu verstehen und zu koordinieren, hat Jänichen mit Kollegen des Karlsruher Instituts für Technologie die Datenströme von Verkehrsgesellschaften untersucht. Die Ergebnisse haben sie in der Studie „Smart-Data-Business“ veröffentlicht. Sie bergen wertvolle Informationen für Verkehrsgesellschaften und Städteplaner, berichtet Jänichen: „Mit diesen Daten können wir genauere Prognosen für zukünftige Verkehrsströme erstellen. Damit könnten Betreiber ihre Kapazitäten viel besser planen.“ Und Daten kommen praktisch von überall: Jeder Zug, jede Straßenbahn, jeder Bus generiert Daten – dank preiswerterer Sensortechnik, die vermehrt eingebaut wird. „Man kann Millionen von Datenpunkten über die gesamte Betriebsdauer eines Zuges sammeln und damit besser verstehen, wie sich der Zug und seine Systeme verhalten“, erläutert Baird. So können Defekte schneller erkannt und der Zustand von Fahrzeugen und Schienennetz rechtzeitig verbessert werden – sozusagen eine digitale Echtzeit-Überwachung der Infrastruktur.

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Bequem und bargeldlos.

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Und auch Fahrgäste, die per Smartphone über Verkehrsbehinderungen twittern, liefern den Verkehrsbetrieben wertvolle Informationen: Wo gibt es Engpässe? Welche Linien sind zu welchen Zeiten besonders belastet? „Geschickt analysiert birgt die Menge und Vielfalt der Datenströme für die Betreiber und für uns Hersteller ein enormes Potenzial“, sagt Baird, „und auch für die Fahrgäste zahlt sich das letztlich aus.“ Die Verlässlichkeit und Verfügbarkeit der Züge steigt und mehr Menschen können komfortabler und sicherer reisen: Künftig sollen sie über eine einzige Plattform erfahren, wann ihr Zug kommt oder wo ihr Bus gerade steckt, und damit auch gleichzeitig online einkaufen und das Produkt am nächsten Bahnhof abholen können – oder ein Mietauto, das am Zielort auf sie wartet. „Das automatische Bezahlen von Tickets beim Betreten des Zuges wird ebenfalls in Zukunft selbstverständlich sein“, sagt Verner Baird. „Bequem und bargeldlos.“

Durch das Sammeln von Daten aus verschiedenen Quellen können Betreiber und Hersteller besser verstehen, wie sich die Züge und Systeme verhalten und welchen Service Fahrgäste sich wünschen.
Die Bedürfnisse verstehen Durch das Sammeln von Daten aus verschiedenen Quellen können Betreiber und Hersteller besser verstehen, wie sich die Züge und Systeme verhalten und welchen Service Fahrgäste sich wünschen.

Erfolgreich mit Startup-Strategien

Der Bombardier-Experte hat viel vor mit dem Unternehmen und muss dafür so manche Weiche neu stellen. Ideen und Inspiration holen sich er und sein Team auch von jungen Unternehmern aus der Startup-Szene. Aber was macht ein Startup eigentlich anders – und in mancher Hinsicht auch besser? Das weiß Bairds Mitarbeiter Mohamad Chehab. Er leitet das Bombardier Startup-Programm und sucht Kandidaten für eine potenzielle Zusammenarbeit (siehe Interview). „Der Hauptunterschied liegt in der Geschwindigkeit der Umsetzung und in der Entscheidungsfindung“, berichtet Chehab. „Startups sind dynamisch, können Ideen schneller verwirklichen – dabei auch mal scheitern – und dann rasch etwas Neues zum Erfolg führen.“

Für etablierte Unternehmen wie Bombardier bietet dieser Ansatz die Chance, neue Konzepte im Kleinen zu testen, Machbarkeitsstudien zu erstellen und sich an neue Geschäftsfelder heranzutasten. Sich neu zu erfinden, geht nicht von heute auf morgen. Und nicht weniger hat Bombardier vor, wie Chehab sagt: „In Zukunft sind wir nicht mehr nur Zughersteller, sondern Dienstleister einer neuen Art von Mobilität.“

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In Zukunft sind wir nicht mehr nur Zughersteller, sondern Dienstleister einer neuen Art von Mobilität.

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Innovation ist ein riskantes Geschäft

Digitalisierung bedeutet Umdenken. MOVE sprach mit Mohamad Chehab, Leiter des Startup-Programms von Bombardier Transportation, darüber, was Konzerne von kleinen Unternehmen lernen können.

Wozu braucht Bombardier kleine Startups?

Es ist essenziell für uns, mit Startups zusammenzuarbeiten. Einerseits lernen wir von ihnen und ihrer Art zu denken und zu arbeiten. Wir lernen neue Geschäftsmodelle kennen, die die Welt heute und morgen bestimmen werden. Andererseits entstehen so neue Partnerschaften, die im besten Fall beiden Seiten nutzen. Schließlich haben auch wir etwas anzubieten: Unsere Expertise, unsere Erfahrung, unsere Kontakte.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher im Umgang mit Startups gemacht?

Wir sind bisher sehr zufrieden und erstaunt, wie schnell wir Fortschritte machen. Der Kontakt zur Startup-Szene ist eine der Säulen unseres Digitalisierungsprozesses, den wir Mitte 2016 eingeleitet haben. Die Suche nach geeigneten Startups für eine potenzielle Partnerschaft begann im November 2016. Und schon im darauffolgenden März standen drei Partner fest.

 

1.800 – 2.400 aktive Tech Start-ups waren allein in Berlin im Jahr 2016 registriert.

Was sind das für Projekte?

Eins der Startups setzt sich mit der Sicherheit von industriellen Netzwerken auseinander. Ein Zweites hat sich auf die technische Überwachung der Infrastruktur im Schienenverkehr spezialisiert. Mit neuen Analysemethoden können sie Schäden nicht nur entdecken, sondern auch versuchen diesen vorzubeugen. Das dritte Startup entwickelt eine Internetplattform, die verschiedene Arten von Personenverkehr verbindet – also beispielsweise Zugverkehr mit Mietautos oder Leihrädern.

 

Was können traditionelle Unternehmen von Startups lernen?

Startups haben eher die Möglichkeit, zu scheitern. Sie können ihre Projekte rasch anpassen und einen neuen, besseren Versuch starten. In der Unternehmenswelt ist es nicht so einfach zu sagen: „Okay, wir versuchen es, aber es kann schiefgehen.“ Innovation ist ein riskantes Geschäft. Aber wenn es funktioniert, kann der Ertrag sehr hoch sein.

 

Wie wirkt sich der Digitalisierungsprozess bei Bombardier aus?

Wenn wir es richtig machen, können wir eine Menge bewirken. Mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung innovativer Ideen und neuer Geschäftsmodelle und dadurch letztlich auch mehr Nutzen und Wert für unsere Kunden und deren Kunden.

Start-up Programme

Wenn du mehr über unsere Start-up Programme erfahren willst, besuche https://ontrack.bombardier.com